Parodontitis – Die gefürchtete Zahnerkrankung
Ursachen, Folgen und moderne Behandlungsmöglichkeiten
Die Diagnose kommt für viele überraschend: Parodontitis. Dabei handelt es sich um eine bakterielle Entzündung des Zahnhalteapparates, die noch vor Karies zu den häufigsten Ursachen für Zahnverlust zählt. Doch wie entsteht Parodontitis, welche Folgen kann sie haben und wie lässt sie sich effektiv behandeln? Prof. Dr. med. Dr. med. dent. Maick Griebenow M.Sc. klärt auf.
Parodontitis bleibt oft lange unbemerkt
„Parodontitis entwickelt sich meist schleichend und verursacht zunächst keine Schmerzen“, erklärt Prof. Dr. Griebenow. Genau das macht die Erkrankung so tückisch. Erste Warnzeichen werden häufig nicht richtig eingeordnet oder unterschätzt. Zu den frühen Symptomen zählt vor allem wiederkehrendes Zahnfleischbluten. Obwohl dieses auch andere Ursachen haben kann, sollte es stets ernst genommen und zahnärztlich abgeklärt werden.
Weitere Hinweise sind rötliche bis bläuliche Verfärbungen des Zahnfleisches sowie Schwellungen. Zieht sich das Zahnfleisch bereits zurück und liegen Zahnhälse frei, befindet sich die Erkrankung meist schon in einem fortgeschrittenen Stadium – spätestens dann ist eine zeitnahe Behandlung dringend erforderlich.
Wie entsteht Parodontitis – und welche Folgen drohen?
Häufigste Ursache für Parodontitis ist eine unzureichende Mundhygiene. Bakterien können sich dadurch ungehindert vermehren und Zahnfleisch sowie Zahnhalteapparat angreifen. Die krankheitsverursachenden Keime dringen in den Spalt zwischen Zahn und Zahnfleisch ein. Es entstehen sogenannte Zahnfleischtaschen, in denen sich Bakterien besonders gut ansiedeln können.
„Innerhalb dieser Taschen reicht normales Zähneputzen nicht mehr aus. Nur eine gezielte zahnärztliche Behandlung kann die Entzündung stoppen“, so Prof. Dr. Griebenow. Bleibt die Parodontitis unbehandelt, greift sie das Binde- und Stützgewebe des Zahnes an. Das Zahnfleisch zieht sich weiter zurück, der Knochen wird abgebaut und die Zähne verlieren zunehmend ihren Halt – bis hin zum Zahnverlust.
Moderne Behandlungsmöglichkeiten bei Parodontitis
Die Behandlung verfolgt ein klares Ziel: die Ursache beseitigen. Zunächst werden die bakterielle Belastung reduziert und die Zahnfleischtaschen gründlich gereinigt. Dieser Schritt erfolgt in der Regel unter örtlicher Betäubung. Dabei werden Zahnwurzel und Zahnhals gereinigt, geglättet und poliert, um eine erneute Anlagerung von Bakterien zu erschweren.
In bestimmten Fällen werden die Zahnfleischtaschen durch einen kleinen chirurgischen Eingriff geöffnet, gereinigt und anschließend wieder eng am Zahn fixiert. Hat sich das Zahnfleisch bereits deutlich zurückgebildet, können ergänzende Maßnahmen zum Wiederaufbau des Zahnfleisches durchgeführt werden. So lässt sich die Funktion und Stabilität des Kausystems in vielen Fällen nahezu vollständig wiederherstellen.
Vor- und Nachsorge: Der Schlüssel zum langfristigen Erfolg
Die wirksamste Vorsorge – und gleichzeitig beste Nachsorge – ist eine konsequente, gründliche Mundhygiene. Regelmäßiges Zähneputzen, die Reinigung der Zahnzwischenräume sowie professionell durchgeführte Zahnreinigungen tragen entscheidend dazu bei, bakterielle Beläge zu reduzieren und einem erneuten Ausbruch der Erkrankung vorzubeugen.
Weitere Informationen zur Parodontitis und zu individuellen Behandlungsmöglichkeiten finden Sie auf der Website der Praxis von Prof. Dr. med. Dr. med. dent. Maick Griebenow M.Sc. in Dortmund.
Parodontalerkrankungen im höheren Lebensalter – Ergebnisse der Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS V)
Die Grafik zeigt deutlich, wie stark Parodontalerkrankungen mit zunehmendem Alter und insbesondere mit Pflegebedürftigkeit zunehmen. Während bei den 65- bis 74-Jährigen noch ein relevanter Anteil keine oder nur milde Parodontitis aufweist, verschiebt sich das Bild bei den 75- bis 100-Jährigen erheblich in Richtung moderater und schwerer Verlaufsformen. Besonders auffällig ist der hohe Anteil schwerer Parodontitis bei pflegebedürftigen Seniorinnen und Senioren, bei denen nahezu jeder zweite Betroffene an einer fortgeschrittenen Erkrankung leidet.
Quelle und mehr Infografiken finden Sie bei zm online
Diese Zahlen bestätigen, was wir in unserer täglichen Praxis erleben: Parodontitis ist keine altersbedingte Begleiterscheinung, sondern eine ernstzunehmende Erkrankung, die mit zunehmendem Lebensalter häufig unterschätzt wird. Gerade bei älteren Menschen – und erst recht bei Pflegebedürftigkeit – erkennen wir Parodontitis oft erst in fortgeschrittenen Stadien, wenn bereits Knochenabbau und Lockerungen vorliegen. Genau deshalb setzen wir in unserer Praxis bewusst auf frühzeitige Diagnostik, individuell angepasste Parodontitis-Therapien und engmaschige Nachsorgekonzepte. Unser Ziel ist es, auch im höheren Lebensalter möglichst lange eigene, stabile Zähne zu erhalten und Entzündungen zu kontrollieren, bevor sie zu Zahnverlust oder weiteren gesundheitlichen Belastungen führen.
| Personengruppe | Moderate Parodontitis | Schwere Parodontitis |
|---|---|---|
| 65–74 Jahre | ca. 45 % | ca. 20 % |
| 75–100 Jahre | ca. 45 % | ca. 45 % |
| 75–100 Jahre mit Pflegebedarf | ca. 34 % | ca. 48 % |



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